Was ist Spielsucht? Definition und Abgrenzung
Glücksspielstörung, auch als pathologisches Glücksspiel bezeichnet, ist eine psychische Erkrankung, bei der das Spielverhalten trotz negativer Konsequenzen nicht kontrolliert werden kann. Sie ist seit den 1980er-Jahren in internationalen Klassifikationssystemen (DSM, ICD) als eigenständige Diagnose anerkannt.
Entscheidend für die Diagnose ist nicht die Häufigkeit des Spielens, sondern der Kontrollverlust: Betroffene können das Spielen nicht beenden, obwohl sie die negativen Folgen für Finanzen, Beziehungen und Gesundheit erkennen.
Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) waren im Jahr 2023 schätzungsweise 1,3 Millionen Menschen in Deutschland von einer Glücksspielstörung betroffen. Für Leverkusen und den Rhein-Berg-Kreis existieren keine gesonderten Regionaldaten; bundesweite Prävalenzzahlen gelten als repräsentativ.
Diagnosekritierien nach DSM-5
Das Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM-5) definiert Glücksspielstörung anhand von neun Kriterien. Treffen vier oder mehr auf einen Zeitraum von zwölf Monaten zu, liegt eine Glücksspielstörung vor.
- 1.
Steigerung der Einsätze im Zeitverlauf, um den gewünschten Erregungsgrad zu halten
- 2.
Reizbarkeit oder Unruhe beim Versuch, das Spielen zu reduzieren oder aufzugeben
- 3.
Wiederholte erfolglose Versuche, das Glücksspiel zu kontrollieren, einzuschränken oder ganz aufzugeben
- 4.
Gedankliche Beschäftigung mit Glücksspiel (vergangene Spielerfahrungen, Planung neuer Einsätze)
- 5.
Spielen als Mittel zur Linderung von Niedergeschlagenheit, Angst, Hilflosigkeit oder Schuldgefühlen
- 6.
Jagd nach Verlusten: nach Spielverlusten erneutes Spielen, um "zurückzugewinnen"
- 7.
Verbergen des Ausmaßes der Spielbeteiligung durch Lügen gegenüber Familienmitgliedern oder Dritten
- 8.
Gefährdung oder Verlust wesentlicher Beziehungen, des Arbeitsplatzes oder von Ausbildungs- und Aufstiegschancen
- 9.
Finanzielle Abhängigkeit von anderen, um die durch Spielverluste verursachten Geldnöte zu lindern
Hinweis: Eine Selbstdiagnose anhand dieser Kriterien ersetzt keine klinische Diagnostik. Standardisierte Tests (SOGS, PGSI) und ärztliche oder therapeutische Gespräche sind notwendig, um die Diagnose zu sichern. Die Beratungsstellen in Leverkusen unterstützen bei dieser Einschätzung.
Schweregrade der Glücksspielstörung
| Schweregrad | Kriterien erfüllt | Charakteristika |
|---|---|---|
| Leicht | 4–5 von 9 | Funktionseinschränkungen beginnen, Kontrollversuche scheitern gelegentlich |
| Mittelgradig | 6–7 von 9 | Spürbare Auswirkungen auf Beruf, Finanzen oder Beziehungen |
| Schwer | 8–9 von 9 | Weitgehende Übernahme des Alltags durch Glücksspiel, erhebliche Folgeschäden |
Frühe Warnsignale im Alltag
Die offiziellen Diagnosekriterien beschreiben einen bereits fortgeschrittenen Verlauf. Frühere Warnsignale, die eine Beratung rechtfertigen, sind:
-
Spielen dauert regelmäßig länger als geplant
-
Erhöhung der Einsätze, um denselben Reiz zu erleben
-
Rechtfertigungen oder Verharmlosungen gegenüber dem sozialen Umfeld
-
Spielen als Reaktion auf Stress, Einsamkeit oder schlechte Stimmung
-
Erste Auslassung von Terminen oder Verpflichtungen zugunsten des Spielens
Nächste Schritte: Hilfe in Leverkusen
Wer vier oder mehr DSM-5-Kriterien bei sich oder einer nahestehenden Person erkennt, kann ohne Voranmeldung Kontakt zu einer der Beratungsstellen in Leverkusen aufnehmen.
Caritasverband Leverkusen
0214 / 855 42-0Diakonisches Werk
0214 / 38 27 20Häufige Fragen zu Symptomen und Diagnose
Was unterscheidet Freizeitspielen von Spielsucht? +
Freizeitspielen ist freiwillig, zeitlich begrenzt und hat keinen maßgeblichen Einfluss auf Finanzen oder soziale Beziehungen. Spielsucht liegt vor, wenn das Spielen trotz erkennbar negativer Folgen nicht kontrolliert werden kann und das tägliche Leben zunehmend beeinträchtigt. Das Fehlen von Kontrollmöglichkeit ist das zentrale Unterscheidungsmerkmal.
Welche Spielformen sind besonders suchtgefährdend? +
Besonders hohes Suchtpotenzial haben Spielformen mit kurzer Spielabfolge und unmittelbarer Gewinnauszahlung: Spielautomaten (Slotmaschinen), Online-Casinospiele, Sportwetten sowie Live-Dealer-Spiele. Die BZgA und die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) dokumentieren in Studien durchweg erhöhte Gefährdungsraten bei diesen Kategorien.
Kann Spielsucht zusammen mit anderen Erkrankungen auftreten? +
Ja. Komorbide Erkrankungen sind häufig: Depressionen, Angststörungen, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) sowie Alkohol- und Substanzmissbrauch treten statistisch überdurchschnittlich häufig gemeinsam mit einer Glücksspielstörung auf. Die Behandlung umfasst idealerweise alle Diagnosen gleichzeitig.
Ab wann sollte man professionelle Hilfe in Anspruch nehmen? +
Wenn mindestens vier der neun DSM-5-Kriterien zutreffen oder wenn Spielen beginnt, Schulden, familiäre Konflikte oder Arbeitsprobleme auszulösen, ist eine Beratung empfehlenswert. Frühzeitige Intervention verkürzt den Therapieweg erheblich.
Wird Spielsucht von der Krankenkasse anerkannt und behandelt? +
Ja. Glücksspielstörung (F63.0 nach ICD-10; 6C50 nach ICD-11) ist eine anerkannte Diagnose. Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) übernimmt die Kosten für ambulante Psychotherapie und stationäre Rehabilitation bei entsprechender ärztlicher Einweisung. Suchtberatungsstellen helfen bei der Beantragung.
Gibt es Unterschiede zwischen männlichen und weiblichen Betroffenen? +
Studien zeigen, dass Männer häufiger und früher betroffen sind, während Frauen tendenziell schneller eine problematische Spielhäufigkeit entwickeln (kürzere "Einstiegszeit"). Frauen spielen häufiger, um negativen Emotionen zu entfliehen; Männer spielen häufiger aus Spannung und Gewinnmotiv heraus. Behandlungsangebote berücksichtigen diese Unterschiede zunehmend.
Spielt Online-Glücksspiel eine besondere Rolle? +
Online-Glücksspiel hat aufgrund seiner ständigen Verfügbarkeit, hohen Spielgeschwindigkeit und gezielter Gamification-Elemente ein erhöhtes Suchtpotenzial. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV 2021) verpflichtet legale Anbieter zur Einhaltung von Einsatz- und Einzahlungslimits sowie zur aktiven Übermittlung von Daten an das Nationale Sperrsystem (OASIS).
Was ist die Spielersperre (OASIS)? +
OASIS (Online-Abgleich zur Spielersperre) ist das bundeseinheitliche Sperrsystem. Betroffene können sich selbst oder auf Antrag sperren lassen. Lizenzierte Anbieter sind verpflichtet, vor jeder Spielteilnahme den OASIS-Status zu prüfen. Eine Sperre kann als wichtiger Schutzschritt im Rahmen der Behandlung eingesetzt werden.
Wo finde ich standardisierte Selbsttests? +
Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet unter www.check-dein-spiel.de einen anerkannten Selbsttest an. Die Beratungsstellen in Leverkusen setzen ebenfalls validierte Kurzfragebögen (z. B. SOGS, PGSI) ein.
Kann man Spielsucht vollständig überwinden? +
Eine vollständige Remission ist möglich. Studien zeigen, dass strukturierte Therapie, Selbsthilfegruppen und soziale Unterstützung die Rückfallrate signifikant senken. Spielsucht gilt wie andere Abhängigkeitserkrankungen als chronisch-episodische Störung; Rückfälle gehören zum Krankheitsverlauf und bedeuten nicht das Ende des Genesungswegs.
Welche Angehörigen sind besonders stark belastet? +
Partnerinnen und Partner sowie Eltern von spielsüchtigen Personen zeigen überdurchschnittlich häufig Zeichen von Burnout, Depressionen und Angststörungen (Co-Abhängigkeit). Beratungsangebote für Angehörige, darunter Gam-Anon-Gruppen, sind ein eigenständiger und wichtiger Bestandteil des Hilfesystems.
Wie unterscheiden sich Spielsucht und Computerspielsucht? +
Glücksspielstörung (ICD-11: 6C50) und Gaming Disorder (ICD-11: 6C51) sind seit 2019 als separate Diagnosen kodiert. Beide gehören zur Kategorie "Störungen durch süchtiges Verhalten". Ein wesentlicher Unterschied: Glücksspiel beinhaltet den Einsatz von Geld und damit direkte finanzielle Konsequenzen.
Was bedeutet "pathologisches Glücksspiel"? +
Der Begriff "Pathologisches Glücksspiel" entspricht dem früheren ICD-10-Code F63.0 und beschreibt dasselbe Krankheitsbild wie die aktuelle Bezeichnung "Glücksspielstörung" (ICD-11: 6C50). In der Praxis werden beide Begriffe synonym verwendet.
Hilft Spielersperre allein bei der Behandlung? +
Eine Sperre allein ist kein Ersatz für Therapie, kann aber ein wichtiger Schutzfaktor sein, der Zeit für den Aufbau einer Behandlung schafft. Beratungsstellen empfehlen, eine Selbstsperre parallel zu einem Erstgespräch in einer Suchtberatungsstelle zu beantragen.
Wie erfahre ich von lokalen Hilfsangeboten in Leverkusen? +
Anlaufstellen sind der Caritasverband Leverkusen (0214 / 855 42-0), das Diakonische Werk (0214 / 38 27 20) sowie die Fachstelle für Suchtprävention (0214 / 406-5301). Die DHS-Suchthilfedatenbank (www.dhs.de) ermöglicht zudem eine bundesweite Suche nach spezialisierten Beratungsstellen.